(Jasmin Taher) Ich erinnere mich, dass es in meiner Jugend in der Schweiz Wegwerf-Nastüechli gab, die in Papierverpackungen statt in Kunststofffolie verpackt waren. Vor ein paar Tagen hatte ich in meinem Bioladen den Besitzer darauf angesprochen. Er meinte, Taschentücher in 10er-Papierverpackungen gäbe es seines Wissens nicht bei seinen Lieferanten zu bestellen. Wahrscheinlich seien die dazugehörigen Verpackungsmaschinen inzwischen verschrottet, weil man auf günstigere Kunststoff-Verpackungen umgestiegen sei und der Kunde den wiederverschliessbaren, stabileren Kunststoff-Verpackungen den Vorzug gegeben hatte.

Wegwerfprodukte in Einwegverpackungen

Papiertaschentücher aus Zellstoff waren wohl die ersten Wegwerfprodukte, die in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft einen Siegeszug angetreten hatten. Sie wurden am 29. Januar 1929 in der Weimarer Republik zum Patent angemeldet. Bis dahin hatte man zum Naseputzen die Finger oder Stofftaschentücher verwendet, die man zwischen den Einsätzen einfach in der Haushaltswäsche mitwusch. Der Verbrauch an Haushalts- und Hygienepapier in der Schweiz lag im Jahr 2007 bei über 21 kg/Kopf (Quelle ZPK), Tendenz steigend.

Kunststoff-Verpackungen zum Schutz der Ware

Wären die Einweg-Taschentücher nicht in praktischen Transportverpackungen aus Kunststoff verpackt, könnte man sie nicht so bequem und sicher in der Hand-, Jacken- oder Hosentasche transportieren. Ohne schützende Umverpackung, könnte man nicht bei Bedarf ein sauberes Taschentuch zum Nase putzen, Finger abwischen oder Schmutz abtupfen aus der Tasche zaubern.

Kunststoff-Verpackungen schützen aber auch andere Produkte, wie Nahrungsmittel, Obst, Fleisch, Käse vor dem vorzeitigen Verderben. Häufig findet sich auf Lebensmittel-Verpackungen der Hinweis «unter Schutzatmosphäre verpackt». Durch die spezielle Verpackungsmethode wird die Haltbarkeit von Hackfleisch bei 2 bis 3 °C von 2 bis 4 Tagen an der Luft auf circa 5 bis 8 Tage eingepackt in einer gasdichten Kunststoff-Verpackung nahezu verdoppelt. Die verlängerte Haltbarkeit der Frischware – Wurst, Fleisch, Backwaren, Brot, Obst und Gemüse – dank der richtigen Verpackung hilft ihrerseits dabei, die heutzutage extreme Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Man muss hierbei also den Nutzen – längere Haltbarkeit und weniger Verschwendung an Nahrungsmitteln – mit dem Aufwand für die Verpackung – bei Fleischprodukten macht die Verpackung durchschnittlich 2 % der Ware aus – in Relation setzen.

Der ökologische Fussabdruck von Papierverpackungen aus konventionellen Quellen ist übrigens nicht besser als der von Plastiktüten. Die Devise sollte also heissen «Verpackungen vermeiden, statt Kunststoff-Verpackungen durch Verpackungen aus Papier zu ersetzen».

Tissue-Tücher aus der Papierbox

Ich kaufe inzwischen keine Papiertaschentücher in kleinen Kunststoff-Verpackung mehr. Stattdessen hole ich Tissue-Tücher in der 100er-Papierbox. Um auch unterwegs saubere Zellstofftücher dabei zu haben, falte ich die Tissues und stecke sie in alte Kunststoff-Verpackungen, die ich vor dem Wegwerfen gerettet habe. Und daheim steht in fast jedem Raum eine Spenderbox aus Karton mit Taschentüchern. Auch wenn es ökologisch sinnvoller wäre, komplett auf nachhaltige Stofftaschentücher umzusteigen, tragen wir so wenigstens einen kleinen Teil dazu bei, Kunststoff-Verpackungen zu vermeiden.

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Quellenangaben: